Samstag, 18. September 2010

Sag mal Auto.

Mittlerweile habe ich mich an den Tagesrhythmus gewöhnt und ich habe heute die erste Nacht  durchgeschlafen - eine wichtige Errungenschaft. Weiterhin kann ich Erfolg auf der sozialen Ebene verbuchen: Ich habe ein Pärchen aus Baden-Württemberg kennen gelernt, mit dem ich seit gestern Auckland erkunde und die ersten Schritte des Backpacker-Daseins gemeinsam bewältige. Ergebnis: viel Lachen. Seit gestern befinden wir uns auf der Jagd nach Autos. Und dass wir alle Drei keine Ahnung von Kfz-Mechanik haben, macht es nicht einfacher. Heute haben wir uns auf dem sonntäglichen Gebrauchtwagenarkt umgesehen. Auf einem großen Platz standen hübsch aufgereiht Autos jeglichen Zustandes. Das Ziel ist eigentlich, dass Privatleute ihre Autos verkaufen. Vor allem aber gibt es viele stärker pigmentierte Ortsfremde, bei denen man davon ausgehen muss, dass sie professionelle Autohändler sind. Sie bewaffnen sich mit ihrer Frau und ihrem kleinen Kind, das sie sich auf den Schoß seztzen, um damit Mitleid und letztendlich einen höheren Preis zu erzielen. Das hab ich heute natürlich nicht selber herausgefunden. Ich hatte mich vorab im Internet über den Automarkt erkundigt und einige Warnungen gelesen. Die Bestätigung habe ich dann heute gefunden. Mit einem Wagen habe ich tatsächlich auch eine Probefahrt gemacht. Ein Van von Nissan wars, 1996 erbaut und 225.000 Kilometer runter. Etwa 2000 Euro sollte er kosten. Der südafrikanische Verkäufer war seinen Erzählungen nach ein Familienvater, dessen erwachsener Sohn nun nach Australien geht, woraufhin das Auto zu groß geworden sei. Er habe sein Auto stets selbst repariert und gepflegt. Gepflegt sah es tatsächlich aus. Und es roch gut darin (eine Seltenheit). Nun denn, ich fuhr also eine Runde und musste mich immer wieder dazu zwingen, auf der linken Seite zu fahren, während der Verkäufer leicht gequält lächtelte. Von der kleinen Runde, die ich drehte, konnte ich natürlich kein umfangreiches Urteil fällen, aber es wirkte alles erstmal sehr gut. Ein fachmännischer Blick in den Motorraum offenbarte blitzeblanke Autoteile. Wie geleckt. Das heißt: alles schön dick mit Öl eingepinselt, damit es glänzt. Trotz allem hat das Auto für das Alter einen sehr guten Eindruck gemacht und es juckte mir in den Fingern. Der nächste Schritt wäre gewesen, einen Ausdruck aus dem Kfz-Verzeichnis zu besorgen, in dem steht, ob das Auto mit Schulden belastet ist, ob Strafen des Autohalters noch offen sind und ob das Auto als gestohlen gemeldet ist. All das geht, wenn man ein Auto in Neuseeland auf den eigenen Namen anmeldet, auf einen über und man hat den Salat. Wenn das in Ordnung ist, besorgt man sich einen Mechaniker für knapp 80 Euro, der den Wagen kurz inspiziert und eine Liste anfertigt, was alles repariert werden müsste. Kurz und gut: Ich habe mich gegen das Auto entschieden, denn ich hatte noch eine andere Anlaufstelle im Kopf, die uns von einem Backpackerpärchen im Hostel empfohlen wurde. 40 Zugminuten von Auckland entfernt hat ein ehemalige Backpackerin aus Deutschland zusammen mit ihrem neuseeländischen Mann einen Autoverkauf eingerichtet. Der Mann selbst ist Automechaniker und die Autos werden - anders als die auf den Gebrauchtwagenmärkten - immer mit aktuellem TÜV verkauft. Ich habe dort heute angerufen und hatte die Frau am Telefon. Morgen fahr ich mit meinen zwei neuen Bekannten dorthin und schauen mal, was sich anbietet. In jedem Fall wirkt der Internetauftritt schon mal sehr seriös und die Preise sind vollkommen in Ordnung. Ich kann's kaum erwarten, mit dem Auto gen Norden aufzubrechen. Hoffentlich klappt's morgen!
Zum Wetter: Mal regnet es Sturzbäche, mal ist strahlend blauer Himmel. Da die Wolken mit einer immensen Geschwindigkeit ziehen, wechselt sich das Ganze teilweise im Minutentakt ab. Ab mein neuer südafrikanischer Toyotapartner meinte, dass sich dies in den kommenden Wochen zum Besseren wendetn wird Wärmer soll's dann auch werden, zur Zeit sind's zwischen 13 und 18°. Es wird, es wird.

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