Mittwoch, 15. Dezember 2010

Na endlich! Ja Leute, es wird Zeit für ‘ne Meldung aus Neuseeland. Und ich kann euch sagen: Das Land ist einfach nur der Hammer. Peter hat alles gut vorbereitet und so jagt ein Ausflug den anderen.
Am Samstag sind wir mit dem Zug quer durch die Südinsel, von Christchurch nach Greymouth und zurück. Das ist was für Eisenbahnfans und so grüße ich heute ganz persönlich Herrn Raik Radtke, Europas besten Zahnarzt.
Am Sonntag ging es mit dem Auto zum Mount Sunday, wo im „Herrn der Ringe“ Rohans Hauptstadt Edoras stand. Es war unglaublich, diese Kulisse mal live zu sehen. Es war sehr beeindruckend und erstaunlicherweise waren wir die einzigen Leute weit und breit.
Gestern war Ausruhen angesagt und da es nur ein paar Meter bis zum Strand sind ging es in den Pazifik baden. Die Bucht war menschenleer, man kann das wirklich nicht in Worte fassen.
Das Wetter erlaubt es uns auch, in der Sonne zu frühstücken, sehr erholsam. Und noch etwas muss ich unbedingt anmerken, die Neuseeländer sind richtige Kaffeegenießer. Ja liebe „Kaffeetanten“ da darf es auch mal eine Tasse mehr sein!!! Also liebe Kerstin: Putz schon mal den Automaten.

Das war’s für heute, liebe Grüße aus Neuseeland.  Dirk

***

Die letzten zwei Tage haben wir auf der traumhaften Banks Peninsula verbracht, einer verschlafenen Halbinsel, wo einst die Franzosen mit ihren Schiffen einfuhren, um sich auch ein Stück des südpazifischen Kuchens zu sichern. Aber oulàlà! Die Briten hatten bereits kurz vor der französischen Ankunft ihre Flagge auf der Halbinsel gehisst und ihren imperialistischen Gegnern somit einmal mehr in die Flinte gepullert. Aber trotzdem: Ein paar Franzosen siedelten sich tatsächlich an und so gibt es dort noch heute allerlei französisch klingende Straßen und Buchten.
Heute ging es weiter Richtung Süden. Auf unserem Weg kamen wir an zwei großen Bergseen vorbei, die nicht blauer hätten leuchten können. Bilder folgen, sobald es die Internetverbindung zulässt. Am zweiten See konnten wir dann einfach nicht mehr vorbeifahren, ohne bei schönstem Sommerwetter eine Runde schwimmen zu gehen. Auch hier waren wir alleine, niemand anders, der planschte. Überhaupt beklagt sich die Südinsel über das Wegbleiben der Touristenscharen. Eigentlich sollten zu dieser Zeit viel mehr Leute durchs Land reisen. Es sind der Übeltäter dreie: Einmal mehr die böse Wirtschaftskrise, die ewige Erklärung für alle Fragen. Dann hätten wir da noch den starken neuseeländischen Dollar, wie er das Reisen für Europäer und Amerikaner derzeit nicht teurer machen könnte (früher: 1 Euro = 2,50 Neuseeland-Dollar, heute bekommt man für einen Euro schlappe 1,74 NZD) und zu guter Letzt – mein Lieblingsgrund: die Medien. Jaha! Die haben nämlich dermaßen sensationslüstern über das Erdbeben in Christchurch berichtet, dass die halbe Welt zu glauben scheint, die gesamte Südinsel Neuseelands liege in Schutt und Asche. Tut sie nicht. Das können wir versichern. Sie ist schön wie eh und je und lässt uns aus dem Staunen nicht herauskommen.
Die heutige Nacht verbringen wir inmitten eines Farmlandes, wo Schafe und Kühe wohnen. Das Haus ist recht gemütlich, wie es da so mitten im Grünen steht, umgeben von Bergen und Wiesen. Allerdings bringt es ein Aber mit sich. Es ist weiblich, Mitte 50 und kommt aus Erlangen. In drei Minuten Small Talk hat sie es tatsächlich geschafft, sich über die Juden zu mokieren. Eine beachtliche Leistung. Und mit ein wenig Abstand kann ich bestimmt auch bald sehr drüber lachen. Kurz zum Hintergrund: Die Dame flüchtet mittlerweile seit 9 Jahren vor dem deutschen Winter und verbringt die Zeit von November bis April hier auf der Farm. Rheuma und Bronchienprobleme – alles wie weggeblasen. Sie ist hier also ganz zu Hause und so verwundert es nicht, wenn auf dem Küchentisch neben einem Stapel Untersetzern in Deutsch geschrieben steht: „Die Untersetzer sind zum Schutz des Holzes da!“ Doch zurück zu den Juden: Die deutschen Urlauber sind der Dame nämlich die Liebsten. Ordentlich und sauber sind die. Jawoll, ja! Aber die Israelis, die benehmen sich hier wie die Könige. Scheren sich um nichts und niemanden. Ich möchte an dieser Stelle noch den Vergleich zitieren, den sie anbrachte: „Wie das Herrschervolk.“ Hier geht’s bunt zu und ich befürchte, dass sie sich gleich wieder zu uns gesellen wird, wenn wir in der Küche anfangen zu kochen. Glücklicherweise ist es nur für eine Nacht. Dann geht’s weiter nach Queenstown. Hoffentlich sind da sympathischere Menschen. Grüßgott!

Nachtrag.
Es ist eingetreten. Ich bereite gerade das Abendmahl, da kommen neue Gäste zur Tür rein. Israelis. Wunderbar. Der Mund der deutschen Dame zieht sich zu einem Strich zusammen und die Augenbrauen gehen nach oben. Die Neuankömmlinge sind überaus höflich und freundlich. Ich hoffe also, dass wir die Nacht ruhig durchschlafen können, ohne den Oskar Schindler geben zu müssen. In diesem Sinne: Shalomchen.

5 Kommentare:

  1. Danke für die Grüße und weiterhin viel Spaß.
    Wir versinken im Schnee, heute 30 cm Neuschnee auf 50 schon liegende!

    Viele Grüße von Katja und Raik-Uwe!

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  2. Ich zitiere: "Peter hat alles gut vorbereitet [...]." Das ist so peteresque! :o)

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  3. Wahsinn die Bilder!!!
    Bei uns ist alles nur noch weiß.
    Lasst es euch gut gehen.

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  4. Lieber Dirk, lieber Peter,
    bei euch ist schon Heiligabend, wir möchten euch ein schönes Weihnachtsfest wünschen, dass ihr wohl am Strand verbringen werdet. Wir freuen uns schon sehr auf den Reisebericht. Noch eine schöne Zeit!
    Es grüßen Kerstin und Matthias

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