Ich schaue aus dem Fenster und es ist ganz schön windig in der Mitte Australiens. Das Unwetter, das für Bambule an der Ostküste sorgte fegt nun Richtung Westen. Es wird Alice Springs voraussichtlich heute erreichen. Allerdings hat es bereits an Kraft verloren und sollte nur in Form von Regenschauern und starkem Wind über das Outback hinwegfegen. Wird schon.
Die letzten drei Tage waren ganz sicher das Beste, das ich in Australien erlebt habe. Am Dienstagmorgen brachen wir mit einer Gruppe von 14 Leuten auf und fuhren hinein in die Wüste. Endlich, endlich gab es was zu sehen, das in Neuseeland überhaupt nicht vorkommt. Die Wüste war an vielen Stellen so rot, wie man es von den Fotos aus Reisekatalogen kennt. Allerdings hat der Regen auch an den entlegensten Orten Gräser und Büsche aus dem Boden getrieben und so war es gar nicht so wüstig wie erwartet. Mehr so wie die afrikanische Savanne. Schon beim Warten auf die Abfahrt lernte ich die zwei Engländer Stuart und Steven kennen. Ein Glück, denn somit standen drei Tage mit Atemnot vor Lachen bevor. Die gesamte Gruppe war sehr witzig und gut durchmischt. Alt, jung, Kanada, England, Schweiz, Dänemark und Deutschland. Allein die Schweizer behielten die Stöcke in ihren Hintern. Seltsames Pack, diese Schweizer. Antworten, die aus Einwortsätzen bestehen, sind ihre Spezialität. Immer schön alles mit Abstand betrachten. Beteiligung an Gesprächen nein danke, aber die Ohren immer gespitzt. Der Bus brachte uns am ersten Tag an einer Kamelfarm vorbei bis zum Ayers Rock, dem großen roten Felsen mitten im Nichts. Dort haben wir uns den etwas wolkigen Sonnenuntergang angesehen, der den Ayers Rock in kürzester Zeit in verschiedene Farben tauchte. Dazu gab’s Sekt und gute Laune. Übernachtet haben wir auf einem Zeltplatz. Wir hatten die Möglichkeit entweder in einem reichlich stickigen Zelt oder aber auf Matratzen unter freiem Himmel zu schlafen. Letzteres zog zwar umher schnüffelnde Dingos mit sich, war aber wunderschön. Mitten in der Wüste gibt es keine Lichter, die den Himmel erhellen. Ich habe noch nie so viele Sterne gesehen. Und mit so einer Aussicht über sich einzuschlafen, das ist doch was. Am nächsten Morgen ging es um vier Uhr morgens raus. Dadurch konnten wir uns den Sonnenaufgang am Ayers Rock ansehen. Wieder etwas wolkig zwar, aber trotzdem toll. Danach wanderten wir um das große rote Ding herum und wurden von einem Aborigine ein bisschen in die Bedeutung des Felsens eingeführt. In den letzten Wochen sind bei Ausflügen in die Wüste mehrere Leute ums Leben gekommen, weil sie nicht genug Wasser getrunken hatten und in der Hitze einfach zusammengebrochen sind. Hier werden an wolkenlosen Tagen ab um zehn locker 45 Grad und mehr. Überall stehen Schilder, die darauf hinweisen, dass man bei Wanderungen mindestens aller 15 Minuten etwas trinken soll und in einer Stunde einen Liter Wasser zu sich nehmen sollte. Überall gab es Wasserhähne, wo man sich seine Flasche auffüllen konnte. Und unser Reiseführer hat uns täglich mehrfach ermahnt zu trinken. Wenn man sich daran hält und ordentlich Sonnencreme benutzt, ist es gut zu schaffen. Ich hab ordentlich geschwitzt, aber Probleme hatte ich keine. Am dritten Tag schließlich sind wir durch den King’s Canyon gelaufen, was ich weitaus beeindruckender fand als den Ayers Rock. Bilder folgen. Während wir durch die Wüste fuhren, haben wir wilde Kamele, Adler, Eidechsen und Kängurus gesehen. Ist ganz schön was los in der Affenhitze dort. Eine wunderbare Tour jedenfalls, die ich jederzeit wieder machen würde. Jetzt muss ich noch einen Tag im reichlich verschlafenen Alice Springs rumbekommen, bevor ich dann am Sonntag mit dem Bus nach Darwin fahre. So. Ich bin hundemüde. Gute Nacht.
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