Montag, 31. Januar 2011

Nachdem ich einen Tag in der eher unaufregenden Stadt Cairns verbracht hatte und letzten Endes tatsächlich in einem Café saß und im Schatten einen Schokomilchshake einsog, ging es vorgestern auf in den ältesten Regenwald, den die Erde zu bieten hat. Dieser liegt etwa 200 Kilometer nördlich von Cairns am Cape Tribulation. Schöne Strände gibt’s dort auch, aber besonders zu dieser Jahreszeit sind viele gefährliche Quallen an der Küste unterwegs. Außerdem leben Krokodile in den Wäldern. Gemütliche Strandspaziergänge sind da nicht drin. Auf dem Weg zum Cape Tribulation haben wir an einem breiten Strom gehalten und eine kleine Bootstour gemacht. Neben dem Strom verliefen viele Flussarme, die durch Kanäle miteinander verbunden waren. Das Land dazwischen ist also reichlich sumpfig und somit ideal für Krokodile. Von denen haben wir tatsächlich drei Stück gesehen. Sie hockten an verschiedenen Stellen am Ufer und sonnten sich, um ihre bevorzugte Körpertemperatur zu erreichen. Übernachtet haben wir schließlich mitten im Nirgendwo des Regenwaldes. Genauer in einer kleinen Ferienanlage mit Holzhütten. Dschungelcamp in schön. Zum Abendessen gab es Känguru. Schmeckt ein bisschen wie Wild, ich mochte es sehr. Den Abend habe ich mit zwei Mädels aus London, zwei Männern und einer Frau aus Südafrika sowie einem Amerikaner verbracht. Es wurde Uno mit haarsträubenden Regeln gespielt und viel gelacht. Am nächsten Morgen musste ich zeitig raus, denn ich wollte ja an dem Ausflug zum Korallenriff teilnehmen und schnorcheln. Aber weit gefehlt – außer mir hatte sich nur einer noch dafür gemeldet und auch diese Tour wurde abgesagt. Der Reiseveranstalter, mit dem ich meinen gesamten Trip durch Australien gebucht habe, beschäftigt mittlerweile zwei Mitarbeiterinnen damit, sich um meine Kostenrückerstattungen zu kümmern. Ich fand aber schnell Ersatz für die geplatzte Ausfahrt zum Riff. Gemeinsam mit dem Amerikaner wanderte ich ein bisschen durch den Regenwald und am Strand lang – immer auf der Hut vor Bewegungen. Am Nachmittag ging es dann zurück nach Cairns ins Hostel, wo ich in durch und durch britischer Gesellschaft keine andere Wahl hatte als das Finale der Australian Open anzusehen. Ein Schotte gegen einen Serben. Letzterer gewann und die Enttäuschung wurde mit einem weiteren Krug Bier runtergespült.
Heute Morgen fuhr ich zum Flughafen und nahm den nahezu leeren Flieger nach Alice Springs ins Outback. Durch den staubigen Sand sollte es hier eigentlich rot aussehen. Allerdings hat der Regen auch das steppen- bis wüstenartige Zentrum Australiens erreicht und die karge Landschaft zum Grünen gebracht. Im Moment wachsen hier viele Büsche und Gräser, die das Outback weitaus weniger rot erscheinen lassen, als ich es von Bildern her kenne. Aber vielleicht ändert sich die Landschaft auch noch ein bisschen, wenn ich morgen für drei Tage zum Ayers Rock fahre. Alice Springs an sich gefällt mir bisher wenig. Viele Aborigines wohnen hier, die aber weniger nicht in das Leben der weißen Leute integriert sein könnten.  Der Großteil scheint obdachlos und zieht mit der ganzen Sippe und den Siebensachen durch die Stadt, sitzt auf den Straßen rum oder schlägt auf staubigen Plätzen sein Lager auf. Das verschafft einen traurigen Anblick, wenn man durch das Zentrum geht. Wenn ich von meinem Ausflug zum Ayers Rock wiederkomme, stecke ich hier leider noch zwei Tage fest. Allerdings kommt eine Engländerin, die ich in Cairns kennen gelernt habe, am Donnerstag auch hier her, somit gibt es zumindest gute Gesellschaft, womit sich auch zwei Tag Alice Springs rumbekommen lassen sollten. Für morgen habe ich mich jedenfalls erstmal mit Wasserflaschen, einem Basecap, Insektenspray und einer hammerstarken Sonnenmilch eingedeckt. Bei 40 bis 45 Grad ist das wohl besser. Achja und es gab ein weißes und somit Wärme abweisendes New-York-T-Shirt im Angebot. Da konnte ich nicht dran vorbei gehen. Hach, New York. Könnte man glatt weg mal wieder hin…

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