Samstag, 6. November 2010

Brechfrei zur Südinsel

Das Feuerwerk gestern war sehr schön. Wir haben uns an den Hafen gestellt und hatten eine hervorragende Sicht auf Wellingtons Hügel, über denen viele kleinere Raketen starteten, und natürlich auf das Wasser, von wo aus zwei Boote das Feuerwerk gen Nachthimmel schickten. Linda hatte mir ja aufgetragen, dieses mit dem Feuerwerk zum Erfurter Krämerbrückenfest zu vergleichen und ich kann sagen: Harvard an der Gera muss sich keinesfalls verstecken.
Heute Morgen um acht haben wir dann Wellington mit der Fähre verlassen und sind bei stürmischem, verregnetem Wetter zur Südinsel gefahren. An Bord wurde mehrfach darauf hingewiesen, dass das hier wegen des starken Seegangs keine Spazierfahrt wird und man am besten sitzen bleiben oder aber sich beim Laufen gut festhalten solle. Glücklicherweise haben wir aus der letzten Höllentour zur Vulkaninsel White Island gelernt und uns diesmal gut vorbereitet: mit Pillen gegen Seekrankheit. Den Großteil der dreieinhalbstündigen Überfahrt habe ich dadurch schlafend verbracht. Der Kahn schaukelte auch tatsächlich enorm hin und her, aber die Tabletten haben geholfen. Das Frühstück durfte ich diesmal behalten.
Die Südinsel hat uns bei blauem Himmel und strahlendem Sonnenschein in ihre bergigen Arme geschlossen (hach).  Es ist hier bei Weitem bergiger als auf der Nordinsel, gefällt mir. Nicht weit von der Anlegestelle der Fähre liegt DER Weinanbauort schlechthin. Blenheim heißt er und wir sind jetzt da. Natürlich hatten zahlreiche Rucksacktouristen die gleiche Idee wie wir und so suchen hier alle nach Arbeit bei den Weinbauern. Bezahlt wird entweder der Mindestlohn von etwa 6,60 Euro oder aber es wird nach der Anzahl von Weinreben bezahlt, die man verschneidet oder anderweitig behandelt. Jeder klagt, dass es nicht genug Arbeit gebe und rät, sich von indischen Weinbauern fernzuhalten, da diese oft besonders mies bezahlen und die Leute übers Ohr hauen. Gerne werden hier auch lieber malaysische Arbeiter eingeflogen, als dass Backpacker beschäftigt werden, weil sie besonders billig sind und lange bleiben. Leicht wird es hier wohl auch nicht. Wir sind erst einmal in einer Herberge untergekommen, die wie viele andere hier in der Gegend auch versucht den Gästen Arbeit zu vermitteln, indem sie ihre Beziehungen zu den Weinbauern spielen lässt. Gleichzeitig haben wir haben noch bei einer anderen Unterkunft angefragt, wo ebenfalls versucht wird für uns Arbeit zu finden. Zusätzlich durchstöberten wir heute das schwarze Brett vom Supermarkt und Internetanzeigen. Auf gezielte Fragen, was Arbeitsmöglichkeiten, Bezahlung und Aufgabenbereiche angeht, beantwortet man hier schon mal mit „Macht euch keine Sorgen – das wird schon. Ihr kommt aus Deutschland, oder?“ Mit der Alles-ist-locker-leicht-flockig-Einstellung und der Überzeugung, dass sich schon alles irgendwie wie finden wird, kann ich tatsächlich nicht viel anfangen. Daher geht’s weiter mit dem Versuch, für die nächsten vier Wochen Arbeit zu finden. Hätte wirklich nicht vermutet, dass es so schwierig ist.
Schön war jedenfalls heute die erste Ansicht der Südinsel: Vielversprechend würd ich sagen.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen