Montag, 1. November 2010

Kreuzspinne und Kreuzschnabel

Wellington ist ein Arschloch. Ich denke, das kann man frank und frei mal so sagen. Wir haben uns nun seit sieben Tagen nach Arbeitsmöglichkeiten umgesehen, nachgefragt und wildfremde Leute im Museum und sonstwo angesprochen. Wären wir in der Wirtschaftkrise der 20ern und würde das Brot eine Million Reichsmark kosten, ich hinge mir ein großes Schild um den Hals, auf dem steht: Suche Arbeit. Eine abgeschlossene Ausbildung, die wir alle Drei aufzuweisen haben, scheint uns nicht mal zum Putzen zu qualifizieren. Wir haben mittlerweile auch die Gelben Seiten durchgeblättert und Cateringunternehmen und Fabriken angerufen. Nirgendwo gibt es etwas. Wir können immer gerne unsere Kontaktdaten und unsere Lebensläufe dalassen. Bei Bedarf wird sich dann bei uns gemeldet. Dankeschön. Es ist einigermaßen ermüdend, Tag für Tag erfolglos alles abzugrasen. Unser Problem: 1. Wir sind keine Neuseeländer und werden nicht jahrelang in Wellington bleiben, viele Cafés, Bar usw. suchen aber Leute für eine längere Zeit. 2. Seit Freitag ist das Semester zu ende. Das heißt: Viele Studenten suchen nun über die Sommermonate Arbeit. 3. Die KRISE (bitte jetzt zusammenzucken und erschauern, dass es kracht) ist auch in Neuseeland angekommen, daher gibt es von vorn herein wenig Arbeit. 4. Die Saison hat noch nicht so ganz begonnen. Das bekommen wir von vielen Seiten zu hören. Hoffnung  macht einem hier eigentlich keiner.
Da es im Zentrum unmöglich ist, kostenfrei zu parken, haben wir unsere Autos ein bisschen außerhalb des Stadtkerns in einem Wohngebiet abgestellt. Dorthin wollten wir heute mal mit dem Bus fahren, um zu sehen, ob alles Ordnung ist. Wir sind versehentlich in die falsche Linie eingestiegen. An sich kein Problem, möchte man meinen. Denn wenn man dem Busfahrer beim Bezahlen sagt, wohin man will, und er die genannte Haltestelle nicht anfährt, wird er es einem wohl sagen. Nicht so in diesem Fall. Als wir dann unbekannte Wege fuhren, fragten wir nach und bekamen zur Antwort, dass wir für das gewünschte Ziel eigentlich eine andere Linie hätten nehmen sollen. Dankeschön. Wir liefen dann also noch ein Stück bis zu den Autos. Dort dann das nächste Geschenk dieses Tages: Halloween hat seine Spuren auf Pepes Motorhaube hinterlassen. In Form von Schmierereien mit schwarzer Farbe. Ich bekomme es ab mit Putzmittel, zum Glück. Aber das alles reicht aus, um Wellington nicht allzu sehr zu mögen. Ein bisschen mehr hatte ich mir auch von der Hauptstadt erwartet. Ein bisschen vielfältiger, weitläufiger. Die Innenstadt ist sehr klein, ohne besondere Bauten oder etwas anderes, das einen bleibenden Eindruck hinterlassen würde. Es ist eine Stadt am Meer. Nette Hügel drum herum, einige Geschäfte, viele Bars, Cafés und Restaurants. Aber schmissig ist es nicht.
Vollkommen doof waren die letzten Tage dann aber auch nicht. Die Studentin, die uns das Zimmer im Wohnheim vermittelte, hat uns am Sonnabend zu einer Halloween-Party eingeladen, wo wir auch hingegangen sind. Die Gastgeber waren offenbar gut betucht und somit wurde in einer schicken Wohnung mitten im Zentrum gefeiert. Ein witziger Abend, durchaus. Gestern und heute haben wir uns dann mal, nachdem wir die Nase voll hatten vom Umhertelefonieren und Arbeitsuchen, das Nationalmuseum angesehen. Der Eintritt ist dort frei und man kann sich über Neuseelands Geschichte sowie Tier- und Pflanzenwelt umfangreich informieren. Ist sehr schön gemacht und wir sind noch immer nicht durch, vielleicht gehen wir nochmal hin. Außerdem wollen wir uns auch noch die Weta-Caves ansehen, das sind die Filmwerkstätten, wo angeblich die derzeit besten Spezialeffekte produziert werden. So wurden dort zum Beispiel die Herr-der-Ringe-Trilogie und die Chroniken von Narnia aufgemöbelt. Vielleicht geht’s da ja morgen mal hin.
Es steht nun die Entscheidung bevor, was zu tun ist, wenn es in Wellington keine Arbeit gibt. Erntehilfe ist eine Alternative. Entweder an der Ostküste der Nordinsel oder aber dann auf der Südinsel. Allerdings ist die Saison noch nicht ganz losgegangen und das Wetter macht den Obst- und Weinbauern, gerade etwas zu schaffen, da es eigentlich wärmer sein müsste und die Kälte alles etwas durcheinander wirft. Außerdem stehen auch in den Anbaugebieten allerorts die Rucksacktouristen (70 000 Deutsche dieses Jahr, laut Radiomeldung) in Reih und Glied und warten auf eine Arbeit. Das Konzept „Reisen und Arbeiten“ scheint in Neuseeland langsam nicht mehr aufzugehen, da das immer mehr junge Leute machen wollen und es weitaus mehr Bewerber gibt als Stellen.
Es ist gerade alles ein wenig verflixt und wir müssen morgen weiter rumtelefonieren und nachfragen informieren, ob es irgendwo Erntehilfejobs für uns gibt. Die Idee „Wellington“, bei der ich dachte, dass man in der Hauptstadt für ein paar Wochen arbeiten könnte, scheint schon mal nicht aufzugehen. Vielleicht bringt ja der morgige Tag etwas Neues.

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