Mittwoch, 10. November 2010

Ich befinde mich umzingelt von Weingütern im Norden der Südinsel. Nach wie vor suchen wir Arbeit, doch das wunderschöne Wetter, die schicke Gegend und die gemütliche Unterkunft hellen die Stimmung auf. Wir haben in den letzten Tagen Dutzende Weinbauern besucht und gefragt, ob sie Arbeit haben. „Ihr seid ein bisschen zu früh.“ „Ihr seid ein bisschen zu spät.“ „Jetzt? Jetzt brauchen wir niemanden. Kommt im März wieder, dann ist Weinernte.“ „Ja, nächste Woche vielleicht. Wegen des Wetters sind wir zwei Wochen im Verzug.“ „Wir haben gerade 50 Asiaten eingestellt – wir brauchen niemanden.“ Die Liste der Erklärungen ist so lang wie widersprüchlich. Der Arbeitsmarkt krankt in Neuseeland, viele Kiwis haben keine Beschäftigung. So wird häufig die Politik gefahren, dass eher Neuseeländer als Rucksacktouristen eingestellt werden. Oder aber Asiaten von all den pazifischen Inseln, die um Neuseeland liegen. Die bleiben nämlich gleich mal sechs Monate und wollen nicht nur ein paar Wochen Geld verdienen. Ein Teufelskreis entsteht. Die Asiaten geben das Geld – im Gegensatz zu den Backpackern – nicht in Neuseeland aus, sondern nehmen es mit nach Hause, wo es der neuseeländischen Wirtschaft nichts bringt. So klagen die, die ihr Geld mit Tourismus verdienen. Dieser ist in Neuseeland nämlich gehörig eingebrochen. Die Amis haben kein Geld und kommen immer weniger. Und die Europäer fahren sowieso auf Sparkurs. Es is‘ a Kreiz!
Nun ja, bleibt nur, sich weiter überall umzuhören und zu hoffen.
Wir wohnen derzeit auf einem kleinen Hof, der davon lebt, Blumen und Töpferware zu verkaufen. Es gibt hier ein Gewächshaus mit Gerbera in jeder erdenklichen Farbe. Sieht richtig gut aus. An die Häuser schließt sich ein bunter Garten an mit trächtigen Orangen- und Zitronenbäumen. Mir gefällt’s sehr gut hier – ein Platz zum Wohlfühlen.
Ich vermisse die deutsche Backkunst. Sobald ich wieder zurück bin, werde ich den erstbesten Bäckerladen gehen und die Verkäufer umarmen. Alles, was es hier gibt, sind wabbelige Toastbrote. Ordentliches Brot gibt es höchstens mal auf Märkten und dort kosten sie sehr viel Geld. Heute haben wir es dann endlich mal selbst in die Hand genommen, wir haben ein richtiges Brot gebacken. Es sollte für morgen sein. Wir sieben Backpacker, die wir hier wohnen, haben es jedoch schon zur Hälfte aufgegessen. Ein Franzose hat noch Weißwein der Region beigesteuert. Herrlich. Frisch gebackenes Brot – wunderbar.
Morgen werden wir sicherlich mal zum Strand fahren. Hoffentlich hält das Wetter. Und vielleicht klingelt ja auch mal das Handy und wir kriegen ein Arbeitsangebot. Schau mer mal.

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