Freitag, 15. Oktober 2010

Es stinkt bestialisch nach faulen Eiern. Ich bin Rotorua, mitten auf der Nordinsel. Hier ist irgendwo eine schwefelhaltige Quelle und somit müffelt es hier ganz ungemein. In den letzten Tagen sind wir viel rumgekommen. Von der Westküste sind wir wieder nachn Osten rüber gemacht. Auf dem Weg hielten auf einer Schafsfarm nahe einer kleinen Stadt namens Matamata. Die Farm wurde mit dem Herrn der Ringe zum beliebten Alaufspunkt für Touristen, da das Stück Land in den Filmen das Auenland darstellt, wo die Hobbits leben. Da bald die Vorgeschichte zum Herrn der Ringe verfilmt werden soll, wird dort gerade alles wieder aufgebaut. Ein richtiges kleines Dorf entsteht dort mit vielen kleinen Hügeln, die mit runden Türen, Fenstern und kleinen Schornsteinen versehen werden. Sieht ein bisschen aus wie in einem Traumland. Wunderschön. Nachdem die letzten Tage einigermaßen verregnet waren, wird es gerade wieder etwas besser. Gestern waren wir in einem Kiwi-Reservat, das es sich zur Aufgabe gemacht hat, die vom Aussterben bedrohten, trotteligen Vögel zu retten, in dem es Kiwi-Eier im Wald einsammelt, diese ausbrütet und die Jungen erst dann wieder in den Wald aussetzt, wenn sie groß und stark genug sind, nicht gleich vom nächst besten Tier ubafalle und aufgefresse zu werden. So konnten wir gestern also endlich mal das Nationaltier aus nächster Nähe sehen. Ein frisch geschlüpftes Küken wars, ein ganz schöner Brocken. Am Abend ging's dann zum Maori-Abend mit der Absicht ein bisschen mehr über die Kultur zu erfahren. Nun ja. Es war eher eine Kaffee-Fahrt. An die 100 Touristen sitzen in einem Zelt und ein dicker Maori-Mann leitete als Show-Master durch den Abend. Zu Beginn erfasste er zunächst alle vertretenen Nationen und für jedes Land sollte geklatscht werden. Dankeschön. Danach ging es in den angrenzenen Wald zur großen Show. Da gab es eine Naturbühne, wo eine Gruppe Maori in Lendenschurz mit Speeren Kriegstänze aufführte und sang. Danach kam der wohl beste Teil des Abends: das Essen, das nach Maori-Brauch in Erdgruben mit Kohle drunter gegart wurde. War vorzüglich. Ich habe eine Geschäftsidee, bei der ich den Maori-Abend daheim auf die Sorben übertragen werde. Die müssen dann alle fein tanzen und singen und mit Booten und Fackeln im Spreewald die Kanäle hoch und runterfahren, während die zahlenden Toursiten am Ufer stehen und klatschen. Dicke amerikanische Frauen, voll und ganz in rosa gekleidet und leuchtend blond gefärbt werden "Oh, wonderful." Kreischen. Und danach gibt's Schmalzstulle mit sauren Gurken. Das wird ein Fest.
Im Moment warte ich gerade auf die Abfahrt zum Wildwasser-Rafting, bei dem wir mit einem Schlauchboot durch einen Fluss rauschen und einen Wasserfall mitnehmen. Ich bin gespannt.
Wo es morgen hingeht, weiß ich noch nicht so genau. Die beiden Mitreisenden werden weiter zur Ostküste ziehen. Lake Taupo, ein unterirdischer Vulkan, der von einem See bedeckt ist, klingt aber auch sehr reizvoll und wäre weiterhin im Landesinneren. Ich werd's wohl spontan entscheiden. Ziel ist es jedenfalls, bald nach Wellington zu gehen und dort zu arbeiten. Heute habe ich meine erste Anfrage an eine Farm geschickt, die in einem Vorort von Wellington liegt. Bin gespannt, was dort rauskommt. Wenn es mit der Farmarbeit nix wird, werd ich wohl in Wellington vor Ort nach einer Arbeit für ein paar Wochen suchen. Es bleibt spannend.

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